Die Betrachtung einer Trennung

Kosmostheater  /// 31. März 2022 /// Zell-Arzberg. Ein Exzess


Zwei Personen und eine Trennung im Doppelmonolog. Der Konflikt eines Paares wird durch das Allgemeine im Alltag vermittelt. Ein Kammerspiel nur für das Gehör und eine fokussierte Inszenierung von Regisseur Franz-Xaver Mayr, die mit ihrer textlichen Sprachgewandtheit eine bemerkenswert kraftvolle Form annimmt. 


Der Monolog im ersten Szenenbild beschreibt instant das Stück. Es geht um das Ende einer Beziehung: „Man tut nur noch die ganze Zeit“ erzählt die Darstellerin (Johanna Orsini). „Man bespricht sich über das Einkaufen, die Kinder, die Freunde, die Ideen, die Urlaube, den Sex, man organisiert, man redet über das Reden und ein immer wieder Abreisen“. Da rein setzt sich unbemerkt ein Konflikt, der bis ins Maßlose getrieben wird. 

So lustig für das Publikum die erste Aufzählung, so tragisch doch der Vorgang dahinter. Die einst existente Nähe-Beziehung des Paares ist verflogen. Ein Streit über das in die Beziehung gebrachte Gut Zell-Arzberg endet im Kampf um die Besitzverhältnisse und sorgt für das Ende der persönlichen Verbindung von Person A und B. Die einst schönen Worte füreinander werden abgelöst durch Eifersucht, Kränkung, Verachtung und Verrat. In das banale und vollgestopfte Leben, hat sich das Steinige geschlichen, wird aber gleichzeitig zur Spannung des Stücks. Es lässt sich im allgemeinen Leben nieder und die Reflexion über individuelle Bedürfnisse und Wünsche kommen zu spät. Es ist keine Ordnung mehr zu finden, die Beziehung hat an Bedeutung verloren. Schluss. Das war´s.

Musikalisch (Matija Schellander) legt sich ein Raunen dumpfer Klänge unter die Stimmen, eine Reduktion liegt auch im Choreografischen und in den wenigen Farben der Kostüme. Was die beiden Darsteller*innen leisten, ebenso gespielt von Reinhold Moritz, kostet sichtbar Kraft und Energie. Nach dem von 1982 erschienenen Text des österreichischen Autoren Werner Kofler bewegen sie sich stimmlich wie textlich, professionell und präzise von der Oberfläche in die Tiefe. Sein Text schafft Zugang zum eigenen Bekannten, baut Brücken zum Geheimnisvollen, zum Erfundenen. Er löst Anspielungen auf Zeitschriften wie „Theater heute“ und Irritationen durch Intertextualität mit Zitaten anderer Literatur aus: „Der, der ich hätte sein können winkt traurig dem, der bin“, dessen Inhalt hier nach Selbstkritik ruft. Der Text wird breit gefasst, es kommt zur gedanklichen Anstrengung des Publikums, aber die Enttäuschung, nicht folgen zu können bleibt aus. 

Letztlich steht das Duo innerlich getrennt und doch bis zuletzt körperlich nah beieinander und erhält damit den Draht zum Menschlichen. Die Perspektiven der gegenseitigen Ablehnung sind zwar bis zuletzt vereint und im szenisch reinen Wort wird die Vergangenheit formuliert, bei der die Zukunft selbstständig von ihnen zerstört wurde, aber für das Publikum frei nach August Everding hoffentlich noch für morgen ist.


Mit Johanna Orsini, Reinhold Moritz I Regie: Franz-Xaver Mayr I Ausstattung: Korbinian Schmidt I Musik: Matija Schellander 


ZELL-ARZBERG: EIN EXZESS. Von Werner Kofler.

Gastspiel in Kooperation mit dem Robert-Musil-Institut für Literaturforschung

Mehr Informationen hier: https://kosmostheater.at/produktion/zell-arzberg-ein-exzess/

Foto: © Wolfgang Lienbacher

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