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Theater Akzent /// 01. Juni 2022 /// The Shadow Whose Prey The Hunter Becomes /// von und mit Back to Back Theatre im Rahmen der Wiener Festwochen

Das Theater Akzent wird im Rahmen der Wiener Festwochen zum Schauplatz einer Auseinandersetzung mit zentralen gesellschaftspolitischen Themen. The Shadow Whose Prey The Hunter Becomes ist ein hochkonzentriertes Stück des australischen Theaterkollektivs Back to Back Theatre, das  sich besonders um die Fragen nach Selbstbestimmung und Solidarität dreht.   


Sarah, Scott und Simon vereint ihr Leben als Mensch*innen mit geistiger Behinderung. Während ausgefochten wird, wer von ihnen bei einer aktivistischen Tagung eine Rede halten soll, werden innerhalb der Monologe Themen der Selbstermächtigung und Bevormundung verhandelt. 

So fragen sie sich: Was bedeutet es solidarisch mit seinen Mitmensch*innen umzugehen? Wie können wir uns gegenseitig empowern, ohne zugleich dem Gegenüber – etwa durch Drängen –  seine Mündigkeit zu rauben? Und als sich der*die immer weiter einmischende Sprachassistent*in, welche*r per Projektion auf der Bühne visualisiert wird, forthin elaboriert, kommt eine  unausweichliche Frage hinzu: Kann in Zeiten der scheinbaren Transzendenz des Homo sapiens durch künstlich neuronale Netze überhaupt noch ein selbstbestimmtes Leben geführt werden? Wird unsere Subjektposition von KIs  – subicio – unterworfen werden?

Back to Back Theatre zeigt in diesem Stück gekonnt die starke Interdependenz und die breite Intersektionalität des Problemfelds der Bevormundung auf. Bereits die Einstiegsszene bereitet das Thema vor, wenn die Figuren ihre Anerkennung und Wertschätzung für den durch Kolonialisierung beraubten Stamm der australischen Wadawurrung in Form eines Dialogs zeigen. Ebenso ergänzt der erste Auftritt der beiden Figuren das eingeführte Thema um die Dimension der Übergriffigkeit, wenn Sarah und Scott, einem Frage-Antworten-Spiel gleich, über die Tabuisierung und Sexualisierung von Geschlechtsteilen einen Diskurs führen, welcher schlussendlich in Fragestellungen zu  sexuellem Missbrauch mündet. Diese Übergriffigkeit zeigt sich, wie in vielen weiteren Monologen klar wird, nicht nur bei Fragen der Kolonialisierung und der sexuellen Belästigung, sondern auch besonders  gegenüber behinderten Personen. So werden sie strukturell von der Gesellschaft ausgeschlossen, infantilisiert, missbraucht und gedemütigt. 

Später zeigt sich auch, dass die Hilfe zur Selbstermächtigung anderer nicht in jeder Form angebracht ist und sogar zu Humiliation und Machtmissbrauch führen kann. Denn als Scott und Simon als für sie verstandene Empowerment-Hilfe Sarah dazu drängen an der Tagung vorzusprechen, fühlt sich diese übergangen, weil ihr klares Nein nicht als solches akzeptiert wird. Sie wird so lange gedrängt, bis schlussendlich Simon den Trugschluss erkennt und sich selbst dem meterhohen styroporenem Rednerpult zuwendet – denn zum Empowerment kann niemand gezwungen werden.

Innerhalb der Dynamik der drei Figuren wird auch fortlaufend die strukturelle Diskriminierung der Frau und die patriarchale Hegemonie ersichtlich, etwa  als sich Simon spielerisch zum Bürgermeister erhebt und Scott, der patriarchalen Dividende gleich, den Posten des Architekten zugespielt bekommt, während Sarah lediglich zu Simons Sekretärin degradiert wird. Schlussendlich ist es der*die Sprachassistent*in, der*die sich eigenmächtig einmischt, Simons Imitationsspiel aufdeckt und nun, anstelle der drei, zu dem Publikum der Tagung, deren Rolle die Zuseher*innen im Raum einnehmen, sprechen möchte. 

Es ist eine Szene wie aus einem Science-Fiction-Film gegriffen und doch droht diese Entmenschlichung im Anbetracht der bereits heute vielfach unterstützend eingesetzten Sprachassistent*innen möglich und wahr gemacht zu werden. The Shadow Whose Prey The Hunter Becomes kann somit als Weckruf verstanden werden, dass Bevormundung, egal wie privilegiert man noch ist, ob in Gestalt einer (plötzlichen) Behinderung, in Form von Kolonialisierung, Übergriffigkeit und Diskriminierung oder gar durch die schon heute eingesetzten Assistenzroboter*innen, eine*n jede*n von uns treffen kann.


THE SHADOW WHOSE PREY THE HUNTER BECOMES
eine Produktion des Theaterkollektivs Back to Back Theatre | Wiener Erstaufführung

Autor*innen: Michael Chan, Mark Deans, Bruce Gladwin, Simon Laherty, Sarah Mainwaring, Scott Price, Sonia Teuben | Regie: Bruce Gladwin | Musik: Daniel Farrugia, Luke Howard, Jonathon Zion u. Luke Howard Trio | Sounddesign: Lachlan Carrick |Tontechnik: Marco Cher-Gibard | Licht: Andrew Livingston, bluebottle | Screen Design: Rhian Hinkley, lowercase | Kostüm: Shio Otani | KI Voice Over: Belinda McClory | Mitarbeit Text: Melissa Reeves | Übersetzung: Jennifer Ma | Schauspiel: Chris Hansen (Umbesetzung für Simon Laherty), Sarah Mainwaring, Scott Price 


Mehr Informationen hier:
https://www.festwochen.at/the-shadow-whose-prey-the-hunter-becomes

Weitere Termine:
2. u. 3. Juni 2022 um 20 Uhr im Theater Akzent

Fotos: © Zan Wimberley

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