Theater Akzent /// 28. Jänner 2026 /// Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten
Lukas Schrenk und Nils Strunk sind wohl eines derzeit beliebtesten Autorenduos auf den großen Wiener Bühnen. Derweil fungierte bisher nur Strunk als Gesicht in den durchweg umjubelten Stücken, wie der Zauberflöte oder auch der Schachnovelle am Wiener Burgtheater. Nun aber doziert auch Lukas Schrenk gewissermaßen sein Debüt in Wien in einer rasanten Geschichtsstunde.
Ein Treppenwitz der Weltgeschichte hat es tatsächlich auf die Bühne geschafft. Louis Antoine d’Artois, duc d’Angoulême, bringt es in den Geschichtsbüchern oft nur zu einer Randnotiz. Als Dauphin aus der Familie der Bourbonen galt er als Anwärter auf den französischen Thron. Diese Möglichkeit blieb ihm aber in den politischen Wirren des Frankreichs im 19. Jahrhundert versagt. Der angekündigte Treppenwitz: Nur nach der Abdankung seines Vaters war er für einen kurzen Augenblick – 20 Minuten – König geworden, ehe auch er mit seiner Unterschrift der Monarchie im Land einen weiteren Dolchstoß versetzte. 40 Jahre später war das Königtum in Frankreich endgültig passé.
Schrenk nimmt sich nun dieser unbekannten Persönlichkeit an, indem rund um dieses poetisch fiktionalisierte Ich des 20-Minuten-Königs, alle großen Köpfe Europas – vorwiegend Männer – um 1800 auf einem theatralischen Tableau aneinanderreiht. Angefangen von Ludwig XIV. über dessen Geschwister und Kinder. Großkinder und Cousins und so weiter. Bis zu Napoleon und dem monarchischen Abendrot im Land.
Diese Aneinanderreihung von Persönlichkeiten kommt stellenweise durchaus mit Witz daher, wirkt aber mit der Zeit ermüdend. Zumal es die sonore Audible-Stimme Schrenks mitunter erschwert zu unterscheiden, wer nun wer ist. Denn spielen tut Schrenk alle Rollen allein. Begleitet wird er von Strunk und drei weiteren Multiinstrumentalisten lediglich musikalisch und akustisch.

Alles in allem bietet sich so eine quirky Geschichtsstunde, die zuweilen plakativ mit historischen Tatsachen versucht einen Witz zu erzeugen, mit Stereotypen spielt. Sprachlich laviert sie dabei um lehrbuchartige Exzerpte mal gereimt, mal gesungen. Komik wird dann oft nurmehr durch eine Verfremdung die an deutschen ZDF-Serien-Humor erinnert, erzeugt und entlockt immerhin den einen oder anderen Schmunzler.
Oder, um einen Gefühlseindruck aus dem Spielplan des Burgtheaters zu kompilieren: Eine Proto-Schachnovelle trifft auf Akins Traum; letzterer ohne absurde Einschübe und «auf deutsch».
Vor beinahe zwei Jahren feierte das Stück bereits am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden sein Premiere. Das Wiener Publikum nahm das Stück nun sehr wohlwollend auf und bedachte das Ensemble mit stehenden Ovationen.
LUDWIG XIX. – KÖNIG FÜR ZWANZIG MINUTEN
Lukas Schrenk
Live-Musik: Nils Strunk, Jörg Mikula, Bernhard Moshammer und Hans Wagner | Konzept & Inszenierung: Lukas Schrenk, Nils Strunk und Lara Regula | Text: Lukas Schrenk | Musik: Nils Strunk | Kostüm: Lara Regula und Anne Buffetrille
Mehr Informationen unter Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten
Fotos: © Volker Schmidt und Christine Tritschler

