Die Spalte im Berg

Kosmos Theater /// Alles was glänzt /// 14.10.2022

Der Berg ist immer da, die Welt herum ist im Wandel.  – “Alles von glänzt” lässt uns in einer dichten Inszenierung von Sara Ostertag in den sprachlich starken, poetischen Text von Marie Gamillscheg eintauchen.


Theresa, Susa und Wenisch leben ihr ganzes Leben in einem Bergdorf, Merih ist aus beruflichen Gründen hingezogen: Einst hat der Berg für Wohlstand gesorgt, mit dem Niedergang des Erzhandels ist der Ort von Abwanderung und Tristesse geprägt. Vor diesem Hintergrund verhandelt die Bühnenadaption des Romans von Gamillscheg allgegenwärtige Themen wie die Gegenüberstellung von Stadt und Land, Alt und Jung, Tradition und Moderne, Natur und Urbanität. Doch auch der Berg selbst ist kein lebloses Objekt, er glänzt, bewegt und verändert sich, ein Spalt tut sich auf.

Obwohl es sich bei “Alles was glänzt” um eine Bearbeitung für das Theater von der Autorin selbst handelt, bleibt der Text eine Prosa, erzählt in der personalen Erzählperspektive: Die Personen sprechen von sich selbst in der dritten Person, direkte Reden werden mit Einleitungssätzen wiedergegeben. Das erschwert die Zugänglichkeit des Textes, es ist ein großes Maß an Konzentration notwendig, um den Sätzen und somit der Handlung zu folgen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht konsequent dieselben Schauspielerinnen die Sätze eines Charakters sprechen. Der Zweck dieser Form der Dramatik bleibt unklar, eine andere Perspektive auf das Stück verändert jedoch den Eindruck: Dann nämlich, wenn man sich ihm nicht als Theaterstück, sondern als Performance vor einem Texthintergrund nähert, was die musikalische Begleitung durch Clara Luzia unterstreicht, die mit ihren Songs die melancholische Perspektive vor dem allmächtigen Berg unterstreicht und den Zuschauer:innen Pausen im dichten Text bietet.

Wenn man sich von der Erwartung eines klassichen Theaterstückes gelöst hat, bietet die Inszenierung von Sara Ostertag durchaus faszinierende Effekte: Das Bühnenbild stellt eine schiefe Ebene mit einem symbolhaften Loch in der Mitte dar, auf der sich die vier Darstellerinnen bewegen. Die Sätze sind perfekt mit einer Choreographie synchronisiert: Sie unterstreichen das Gesagte, ohne aufgesetzt zu wirken. Die sportliche Leistung und Körperspannung der Schauspielerinnen ist vor allem dann beeindruckend, wenn sie über die Bühne rutschen. Die Personen unterscheiden sich optisch nur durch die Farbe ihrer Handschuhe voneinander: Abgesehen davon tragen alle vier einen Arbeitsanzug, ihr Gesicht ist unter einem Stein versteckt, was den Berg als zentrales Handlungselement nicht aus den Augen verlieren lässt. 

Fazit: Dichtes, schwer zugängliches Stück, das aber durch eine exakte Choreographie und stimmungsvolle Inszenierung besticht. 


ALLES WAS GLÄNZT
in einer Fassung von Marie Gamillscheg
Koproduktion makemake produktionen & Kosmos Theater

Konzept: makemake produktionen | Regie: Sara Ostertag | Komposition & Live-Musik: Clara Luzia, Catharina Priemer-Humpel | Ausstattung: Nanna Neudeck | Video: Nora Jacobs | Choreografie: Martina Rösler | Dramaturgie: Anita Buchart | Kommunikation: Birgit Schachner Produktion: Julia Haas | Regieassistenz: Mana Samadzadeh | Spieler*innen: Nora Jacobs (Teresa), Aline-Sarah Kunisch (Susa), Michèle Rohrbach (Wenisch), Dolores Winkler (Merih)


Nähere Infos hier: https://kosmostheater.at/produktion/alles-was-glaenzt-3/
Fotos: (c) Bettina Frenzel

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