Auf Besuch in der „Wiener Akademie für plastisches Denken“

V°T//Volx /// 19. Februar 2022 /// UNIVERSAL ROBOTS oder ZIMMER 21

Wie viel Roboter steckt eigentlich in dem oder der Schauspieler*in? Eine Auslotung der Beziehung von Mensch und Maschine mit viel Metaebene.


1920 sah der tschechische Autor Karel Čapek in seinem Drama „R.U.R. – Rossum’s Universal Robots“ die Entwicklung der künstlichen Intelligenz voraus und ersann für seine menschenähnlichen, intelligenten Maschinen die Bezeichnung „Roboter“. Die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine ist seither allgegenwärtig. In der Kooperation des Volkstheaters mit der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien wird diese nicht noch einmal neu gestellt, sondern aufs eigene Metier umgedeutet: Wie viel Roboter steckt eigentlich in dem oder der Schauspieler*in? 

Immerhin sollen Schauspieler*innen Anweisungen der Regie sofort und fehlerfrei umsetzen, die Handlung und das Gefühlsleben anderer Menschen einwandfrei nachahmen, und das übrigens auf Abruf, jederzeit wiederholbar. Eine spannende Frage, deren Antwort allerdings etwas zerdacht und überinszeniert daherkommt: Da spricht die feine, englische Lady mit ihrem Butler über diese „neuen Maschinen“, da studieren Klone einen Kanon ein, da verfallen die Schauspielenden dem Suchtpotenzial des Fernsehers. 

Während auf der Bühne solche verschiedenen Szenen gleichzeitig passieren, die teils der Entstehungszeit des Stückes nachempfunden sind, teils aus einem der vielen Themenkomplexe zum Verhältnis von Mensch und Maschine entspringen, wird das Geschehen abwechselnd von einer Regiestimme aus dem Off und den Schauspielenden selbst erklärt oder kommentiert („Jetzt kommt gleich der Höhepunkt des Stückes!“; „So war das aber nicht geplant.“). Diese Meta-Kommentare sollen wohl den Entstehungsprozess des Stückes in den Vordergrund rücken, wirken aber mäßig originell. Die zusätzliche audiovisuelle Dauerbeschallung mit Musik oder gesprochenen Passagen über diverse menschliche Erfindungen und Entdeckungen (vom Staubsauger bis hin zur DNA oder der Kybernetik) bietet zwar einen thematisch roten Faden durch die sonst etwas wirren Szenen, hinterlässt aber ebenso den Eindruck, das hier zu viel gewollt wurde. 

An der „Wiener Akademie für plastisches Denken“, so eine der Bezeichnungen des Stückes für das Ensemble, wird also eher belanglose Popplauderei anstelle revolutionärer Konversation betrieben. Die wohl erwünschte Metathematisierung des Theaterbetriebs gelingt, ganz am Schluss dann doch in einer kurzweiligen und spielerischen Kommentierung und Inszenierung des Publikumsapplauses, der nur exakt 60 Sekunden lang dauern durfte. 


UNIVERSAL ROBOTS oder ZIMMER 21
Uraufführung . Eine Kooperation des Volkstheaters mit der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Nach einer Idee von Karel Čapek 1920

Regie: Jo Fabian | Dramaturgie: Hannah Lena Ruppert | Schauspiel: Patricia Falk, Anna Golde, Jonas Grabler, Nikolaus Lessky, Riccardo Pallotta, Luisa Schwab, Helena Vogel, Nora Wahl


Weitere Termine: 23., 24., 25.+26. Februar 2022

Mehr Informationen hier: https://www.volkstheater.at/produktion/1251324/universal-robots-oder-zimmer-21

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