Ist (Liebes-)Glück Freiheit oder Arbeit?

Volx/Margareten /// 03. Mai 2019 /// Die Leiden des jungen Werther

Freiheit ist Glück und Glück ist Arbeit. Das behauptet zumindest Albert aus Goethes berühmten Liebes-Dreieck Albert-Lotte-Werther in Calle Fuhrs Fassung von „Die Leiden des jungen Werther“.


Goethes Klassiker erzählt von der unerfüllten Liebe Werthers zu Lotte, die mit Albert verlobt ist. Ein Drama der Sturm- und Drang-Zeit, das mit Werthers Selbstmord endet. Trotz Tragik des Textes, schaffte es die Regie lustige Szenen an passenden Stellen einzubauen.

Lotte sagt zu Werther: „Albert ist mir werter“, das Publikum aus Alt und Jung bricht in herzhaftem Lachen aus, denn nicht nur der Sprachgag, auch die tragikomische Situation des Liebesdreiecks in dieser Inszenierung kennen sicher viele aus eigener Erfahrung. Der Wechsel zwischen lustig und ernst funktioniert natürlich, so wie im echten Leben. Albert verdeutlicht bald darauf auch seine Lebenseinstellung mit „Glück ist Arbeit“, also den antagonistischen Gegensatz zum freiheitsliebenden Werther.

Die Treue zum Originaltext zeigt sich durch auf der Guckkastenbühne eingeblendete Passagen aus Werthers Briefen zu seinem Freund Wilhelm, die von ihm selbst vorgelesen werden. Auch die Kostüme der drei Protagonisten sind gehaltstreu wie Werthers gelbe Weste zu blauem Rock.

Viele symbolische Gesten wie das Aufbrechen der Umarmung zwischen Lotte und Werther durch Albert, verbildlichen die Sehnsucht Werthers zu Lotte, Lottes innere Verbundenheit zu beiden Männern und Alberts Eifersucht. Symbolisch sind auch gesungene Texte wie: „he annoys me but I love him“, die das tragikomische Element der Inszenierung aufgreifen.

Anton Widauer als Werther, Sören Kneidl als Albert und Tilla Rath als Lotte verdeutlichen auf authentisch gespielte Weise, dass das eigene (Liebes-)Glück kompliziert ist. Dass man die unerfüllte Liebe Werthers zu der mit Albert verheirateten Lotte dennoch auch lustig inszenieren kann, hätte mein verträumtes und romantisches 15-jähriges Ich nie geglaubt. Jedoch ist es dem Regisseur Calle Fuhr gelungen, Sprachgags und die Figur Werther als gackerndes Huhn in einer Szene zu liefern, während in der nächsten die Thematik diskutiert wird, ob Liebe Arbeit oder Freiheit ist.

Fazit: Tragikomische Inszenierung des Klassikers von Goethe, bei der man genüsslich lacht, aber auch überlegt, ob das eigene Glück durch Arbeit oder Freiheit erreicht wird.


DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER
Von Johann Wolfgang Goethe
in einer Fassung von Calle Fuhr

Regie: Calle Fuhr
Bühne und Kostüme: Calle Fuhr
Musik: Alexander Wanat
Dramaturgie: Kai Krösche
Regieassistenz, Soufflage, Inszipienz: Elisabeth Balog, Hannah Gehmacher
Regie-/ Dramaturgiehospitanz: Ann-Kathrin Pfahler
Werther: Anton Widauer
Lotte: Tilla Rath
Albert: Sören Kneidl

Weitere Termine und Infos zum Stück findest du hier: Klick!


Bildrechte: (c) Max Hammel, infamous.at, Volkstheater

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