Das letzte Abendmahl

Burgtheater/// 21. September 2019 /// The Party

Auf der Party eines linksliberalen britischen Freundeskreises beginnen durch persönliche Enthüllungen nicht nur Beziehungen, sondern auch politische Ideale zu bröckeln. Dank schwarzem Humor und Situationskomik ist das für die Zuschauer_innen sogar lustig.


Janet wurde gerade von der Opposition zur Schattenministerin für Gesundheit ernannt. Um dies zu feiern, empfangen ihr Ehemann Bill und sie Freund_innen zu einer Party. Da ist die zynische April mit ihrem Freund, dem spirituellen deutschen Lifecoach Gottfried; Martha und Jinny, die dank in-virtro-Fertilisation gleich Drillinge erwarten; Tom, der als “Finanzhai” ideologisch nicht zum linken Freundeskreis passt und dessen Frau Marianne, die erst später kommen kann. Als alle auf Janets Erfolg anstoßen, verkündet Bill, dass er todkrank ist. Das bleibt aber nicht die einzige Enthüllung an diesem Abend, nach dem nichts mehr so ist, wie es vorher war, oder in Aprils Worten: “unser letztes Abendmahl.”

Nicht nur private Probleme, sondern auch ideologische Überzeugungen werden verhandelt: Janet, die sich ihr ganzes Leben für ein starkes staatliche Gesundheitswesen eingesetzt hat, erfährt, dass ihr Mann auf Privatärzt_innen zurückgegriffen hat. Die Karrierefrau ist nun bereit, ihre berufliche Stellung zu opfern, um ihren Mann zu pflegen und hinterfragt ihre Fokussierung auf ihren Beruf: Hat sie ihr restliches Leben vernachlässigt? Der rationale, atheistische Bill wird vor dem Tod empfänglich für Religion und Konzepte wie “Schuld”.

Das Kammerspiel basiert auf dem Film “The Party” von Sally Potter aus dem Jahr 2017, den die Regisseurin selbst für die Bühne adaptierte. In der Inszenierung am Burgtheater von Anne Lenk wird die Szenerie von Janets und Bills Wohnung in einzelne Zimmer zerlegt, die auf unterschiedlichen Ebenen angeordnet sind. Dabei wird jeweils der Raum beleuchtet in dem die aktuelle Szene spielt und die anderen abgedunkelt.

Durch dieses Konzept können sich die Zuschauer_innen besser auf einzelne Charaktere konzentrieren. Allerdings wird das Stück zu sehr zerstückelt, wenn in rascher Abfolge Zimmer gewechselt werden. Dies geschieht vor allem zu Beginn, der lange dauert, bis das Werk endlich Fahrt aufnimmt. Danach besticht der Text durch starke Dialoge, die nachvollziehbar private Probleme mit politischen Diskussionen verbinden und dabei für viele Lacher sorgen.

Besonders unterhaltsam ist April mit ihrem Zynismus, ebenso Gottfried, der als spiritueller Lebenscoach auch in den größten Auseinandersetzungen Optimismus vermitteln will. Dazu kommt die Situationskomik und der schwarze Humor, der dem Genre der Tragikomödie gerecht wird.

Fazit: Trotz einiger langwierigen Stellen ist The Party eine sehr unterhaltsame Tragikomödie mit persönlicher und politischer Auseinandersetzung, stimmig im Burgtheater umgesetzt.


THE PARTY

Regie: Anne Lenk

Bühne: Bettina Meyer

Kostüme: Sibylle Wallum

Musik: Camill Jamall

Licht: Norbert Joachim, Michael Hofer

Dramaturgie: Sabrina Zwach

Mit: Dörte Lyssewski, Peter Simonischek, Regina Fritsch, Markus Hering, Barbara Petritsch, Katharina Lorenz, Christoph Luser


FOTOS: © Matthias Horn

Mehr Informationen hier: https://www.burgtheater.at/veranstaltungen/party/2019-09-21

 

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