20 Jahre Kosmos – Stay With The Trouble


Die Welt als Spinnennetz – mit dem Festival Titel “Stay With The Trouble” verweist das Kosmos Theater auf die (fast) gleichnamige feministische Aushandlung Donna Haraways zu einem Um– und Neudenken von Beziehungskonstellationen.  Eine viel zitierte  Metapher in Haraways Aufzeichnungen ist das Spinnennetz. Es ist ein Symbol für die Vision einer Welt ohne hierarchische Strukturen zwischen menschlichen  – als auch nicht menschlichen – Wesen. Haraway imaginiert das Bild einer Welt, in der jedes Leben ineinander verflochten ist.


Im Rahmen des Jubiläum-Festivals “Stay With The Trouble” (11.05.-15.05.) fanden verschiedene online Veranstaltungen statt, die von Live-Lesungen und Konzerten bis hin zu Streams von Inszenierungen der letzten Jahre reichten. Auch eine Hommage an die allererste Produktion des Kosmos Theaters durfte dabei nicht fehlen:

“Kollegiale Weiber” – so bezeichnete Schauspielerin Grace M. Latigo in der Online Lesung am Mittwoch Abend ihre Kolleginnen, mit welchen sie gemeinsam die erste Produktion am Kosmos Theater, “Königinnen” von Lilly Axster, realisierte. Für eine Leseprobe versammelten sich Regisseurin Corinne Eckenstein und die drei Schauspielerinnen auf der Plattform Zoom. Schnell stellte sich heraus, dass hier nicht die Vorstellung des Textes vordergründig war, sondern vielmehr das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen: Mit viel Kreativität und feministischen Biss erarbeiten die Frauen vor zwanzig Jahren eine (damals) sehr progressive und gesellschaftskritische Inszenierung, die bis heute immer nach stark im Gedächtnis haftet. 

Seit der Gründung ist die Devise des Kosmos Theaters: Feministisch Theater machen und Theater feministisch machen! Das zeichnet sich zum einen in der gesamten Arbeitsstruktur des Hauses ab, zum anderen bietet das Kosmos Theater einen Raum für feministisch-intersektionale Performance/Theatergruppen. Das Stärken und  Ermutigen von Frauen* im Theaterbetrieb, das Repräsentieren von Lebenswegen und Haltungen von Frauen* und die Suche nach neuen Ideen zur Erreichung einer gleichgestellten Gesellschaft, sind die Leitideen des Theaterhauses in der Siebensterngasse. Mit der Integration ALLER gesellschaftlichen Minderheiten in einen Theaterraum setzt sich das Kosmos Theater für mehr Diversität in der Theaterwelt ein.

Das Kosmos Theater feiert ihr 20 jähriges Jubiläum. Doch dies ist keine Siegesfeier, der Kampf für queer-feministisches, innovatives Theater und Gender-Balance wird weiterhin mit Dringlichkeit ausgetragen.

Die Geschichte oder „Herstory“, wie es das Kosmos Theater auf ihrer Webseite bezeichnend für ihre Werte beschreibt, ist genauso inspirierend, wie ihre Arbeit in der österreichischen Frauen- und Kulturpolitik. Nachdem keine der Forderungen des im Jahr 1997 von rund 645.000 Menschen unterschriebenen Frauenvolksbegehrens umgesetzt wurde, entwickelte Barbara Klein (Intendantin von 2000 – 2018) ein Konzept für einen öffentlichen Kulturraum für Frauen*. Der Verein LINK* war geboren: Ein Zusammenschluss vieler verschiedener Künstler*innen mit dem Ziel, deren Arbeiten, Lebensentwürfe, Utopien und Visionen einen Raum sowie gesellschaftliche Relevanz zu geben. Die Gruppe bewarb sich mit ihrem Konzept für die Räumlichkeiten des ehemaligen Pornokinos „Rondell“ in der Nähe des Stadtparks. Die Politiker*innen  schienen das Ansuchen zunächst ernst zu nehmen, doch legten den Künstler*innen unüberwindbare Steine in den Weg. Dies führte schließlich dazu, dass die Räumlichkeiten an das Porgy&Bess gingen. Daraufhin besetzten die Künstler*innen das „Rondell“, um für die Relevanz von feministischer Kunst zu kämpfen.

Während der Besetzung fanden unzählige Kunstperformances statt. Schließlich gab die Regierung nach und bewilligte das Konzept der Aktivist*innen. Doch die vorgeschlagenen Alternativräumlichkeiten waren unerschwinglich. Nur durch einen glücklichen Zufall fand der Verein ein passendes Objekt in der Siebensterngasse – das ehemalige Kosmos-Kino. Dort gründeten die Initiator*innen, Barbara Klein, Krista Schweiggl, Ina Karrer und Felix Niederhauser 1999 die Kosmos Frauenraum Kulturzentrum GmbH. Nach zwei Jahren intensiver konzentrischer und programmatischer Arbeit, wurde der „kosmos.frauenraum“ in „Kosmos Theater“ umbenannt, u. a. weil sich Männer “diskriminiert” fühlten.

Seit April leiten Veronika Steinböck und Gina Salis-Soglio gemeinsam das Kosmos Theater, das nun einen stärkeren Fokus auf Sprechtheater legt. Bei der Eröffnungsrede des kosmos.frauenraums im Jahr 2000 sagte Elfriede Jelinek: „Ich frage mich, wie es möglich ist, dass Personen immer noch für ihre Anliegen auf die Straße gehen müssen, demonstrieren müssen, Druck machen müssen, nur aufgrund ihres Seins, aufgrund der biologischen Tatsache, dass sie Frauen sind“. Traurig, dass heute, 20 Jahre später, diese Worte kaum an Relevanz verloren haben.


Für mehr Infos empfehlen wir die Homepage des Kosmos Theaters und den Podcast „Große Töchter“. Hier sind Barbara Klein und Veronika Steinböck im Gespräch mit Beatrice Frasl über feministisches Theater.

Text: Emily Richards, Sebastian Klinser und Katrin Brehm

Foto: Besetzung Rondell (c) Kosmos Archiv

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