Feminismus ist und bleibt kein einfaches Thema

Dschungel Wien /// 23. Juni 2019 /// FEMINIS:MUT
Das Stück Feminis:Mut versucht sich dem intersektionalen Feminismus zu öffnen und widmet sich dabei spezifisch den Themen Sexismus und Diskriminierung. Freigegeben ab 12 Jahren.


Die erste Szene zeigt eine junge Frau, die bei Urban Outfitters nicht in eine Jeans kleiner als Größe L passt und sie will daher nur noch eine Kugel Eis anstelle von drei essen. Warum die betroffene junge Frau allerdings von einer Schauspielerin dargestellt wird, die in jeder Sicht dem normativen Schönheitsideal entspricht, erkläre ich mir mit der ironischen Übertreibung. Ob diese bei einer_m zwölfjährigen Zuschauer_in, die in keiner Weise dem dargestellten Schönheitsideal entspricht, ankommt, bezweifle ich. Ja, dieses Erlebnis zeigt, dass es immer noch die Bewegung Feminismus benötigt. Wir leben nach wie vor in einer Zeit, in der Werbung und Kapitalismus uns suggerieren, in welches Bild man zu passen hat, in welche Kleidergröße.

Die fünf Schauspielerinnen übernehmen in einem amüsanten Wechselspiel alle weiblich sowie männlich gelesenen Rollen und stellen dabei die Übergriffe, denen junge Frauen nach wie vor ausgesetzt sind, in ironisierter Übertreibung dar. Großartig sind dabei die jungen Schauspielerinnen, die mit viel Kreativität den Anforderungen der einzelnen Szenen begegnen, Rolle und Besetzung folgen allerdings auch hier den Stereotypen.

Die vielen kleinen Episoden von sexistischen und diskriminierenden Situationen, die hier dargestellt werden, klappern leider ein Klischee nach dem anderen ab. Darin enthalten ist aber immer auch ein Bruch, eine Wahrheit der Verletzung, die in jeder Szene herausschreit.

Fazit: Die Chance, neue Handlungsstrategien für Situationen, in denen sexistische oder diskriminierende Übergriffe stattfinden, zu erarbeiten und dem jugendlichen Publikum als Alternative mitzugeben, wurde leider vergeben. Gängige Stereotype werden hier zwar breitgetreten, die Auflösung, wie mit diesen umzugehen ist, kommt in den letzten Minuten allerdings ebenso zu spät wie zu kurz. Je weniger Berührungspunkte man bisher mit feministischen Themen hatte, umso mehr gewinnt das Stück wohl bei den Zuschauer_innen.


FEMINIS:MUT
Konzept, Regie, Theaterpädagogik: Christine Nocker, Michaela Illetschko
Videoinstallation: Alexander Zechmeister
Bühnenbild: Paul Otto Sukopp
Schauspiel: Magdalena Frauenberger, Bianca Kobald, Magdalena Kodras, Yasmin Maatouk, Helene Schmitt, Sophie Schmitt
Videoappearance: Somya Rathee


Fotos: © Katharina Zoubek

Mehr Informationen hier: https://www.dschungelwien.at/vorstellung/336

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