Eine Heimat für alle?

Werk X /// 24. Mai 2019 /// Past Forward

Eine Reise in unsere Vergangenheit wird zu einer Reise in unsere mögliche Zukunft. Das Berliner Theaterkollektiv EGfKA denkt zusammen mit seinen Besucher_innen neue Wege für morgen. 


Halten Sie bitte die Tribüne frei.“

Im Nachhall dieser Empfehlung blicken sich die Theaterbesucher_innen im schwach beleuchteten Bühnenraum um. Statt einer Kulisse steht ein Raumschiff auf der Bühne, eine Zeitmaschine, für weniger Fantasievolle wohl nur eine große Sitzfläche, auf der Polster und Teppiche auf mehreren Ebenen zum Verweilen einladen. Zögerlich füllen sich diese Plätze mit Zuschauer_innen und die Séance beginnt.

Den Brechtschen Bildungsauftrag erfüllend wird das Publikum aufgefordert, Teil dieser Performance zu werden. Jede_r kann zusammen mit den Darsteller_innen verstorbene Geister anrufen, niemand muss. Hannah Arendt, David Bowie, Jesus, Bruno Kreisky und viele mehr werden in den gedachten Raum gerufen und blicken alsdann von der leeren Tribüne auf uns herab.

Die Welt wird, was sie war, eine Heimat für Herren und Sklaven.“

Einer von vielen Sätzen in diesem multisensorischen Spektakel, das uns unsere Vergangenheit in Erinnerung ruft, um in ihr den Schlüssel zu einer besseren Zukunft zu finden, ganz nach Foucault. An uns ziehen Bilder und Videos, Zitate und Textstellen vorbei, die die Ungerechtigkeit und Unterdrückung der vergangenen zweihundert Jahre zeigenApartheid, zunehmende Industrialisierung und ihre negativen Folgen, Klassenkampf und Frauenrechte wiederholen sich als Hauptmotive immer wieder. Bis auf einen kurzen Ausschnitt des Ibiza-Songs wird die Gegenwart ausgespart, der Vergangenheit kann schon in dieser kurzen Zeit nicht gerecht werden.

Einmal im ZeitRaumMaterialisierer ZRM3000 angelangt, fühlt es sich an, als sei man Bestandteil dieser erschaffenen Welt. Die aufkommenden, unangenehmen Gefühle werden aufgefangen von den geglückten Revolutionen, der Erkenntnis, wie weit die Menschheit sich weiterentwickelt hat. Sich auf diese Welt einzulassen, bedeutet an einem besseren Morgen arbeiten zu wollen, ob unmittelbar oder mittelbar wird die Partizipation zur Voraussetzung. 

Fazit: Der Utopienwerkstatt für morgen steht die Erwartungshaltung des Publikums entgegen. Aus der Reise in die Vergangenheit wird am Ende eine Task-Force für eine bessere Zukunft, für die man nicht groß genug denken kann. Die Vergangenheit lässt sich leichter beschwören als die Zukunft.


PAST FORWARD

Eine politische Séance der EgfKA

Wien-Premiere

Eine Koproduktion der EGfKA – Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten mit dem Ringlokschuppen Ruhr. Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes und von der Kunststiftung NRW

Konzept & Idee: EgfKA

Von und mit: Sabrina Apitz, Michael Beron, Thea Hoffmann-Axthelm, Matthias Kelle, Dafni Sofianopoulou, Olivia Stutz, Florian Thamer, Ingo Tomi, Tina Turnheim und Christos Varvantakis


Fotos: © Pascal Bruns, Thea Hofmann-Axthelm

Mehr Informationen hier: http://werk-x.at/produktion/past-forward.

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