AUS LIEBE: Ein extrem witziger, zutiefst feministischer Akt

Kabarett Niedermair /// 14. November 2018 /// AUS LIEBE von Ulrike Haidacher

Eine unheimliche Kinderstimme, ein pseudo-feministischer, elitärer Männer-Regisseur, ein klebriges Petersilienstück, ein glückliches Paar und eine geflüchtete Familie – in diese Kellerparty tappt die Ich-Erzählerin des Ein-Personen-Kabaretts “Aus Liebe”. Ein Abend, den du dir geben solltest. Nicht nur wegen Verena.


Verena ist die beste. Wirklich. Ich habe Ulrike Haidachers erstes Soloprogramm zweimal gesehen und Verena ist DER HIT! Jede_r kennt eine Frau wie sie. Völlig in ihrem Element, sobald sie den Mund offen hat. Ständig ihre Umwelt darüber aufklärend, was für eine Art Mensch sie ist. Und zu ziemlich allem eine Meinung. Zum Beispiel zum Arbeitsmarkt, zum Feminismus, zur Migrationsdebatte. Wenn die Verena ins Philosophieren kommt, schmeißt du dich weg. Ich verspreche es.

“Bei dem ganzen Frauengeredert vergeht mir die ganze Geilheit und über bleibt nur mehr der Zorn.” – Verena zu später Stunde, leicht lallend.

Eigentlich wollte sich die Ich-Erzählerin mit ihrer Schwester aussprechen, doch dann fällt sie in die Donau und ein Mann zieht sie heraus. Weil er kein Unmensch ist, lädt er sie zum Abtrocknen in sein Haus und anschließend auf die Hausparty im Keller ein. Das Setting ermöglicht Haidacher ihre Stärken voll auszuspielen: die köstlich scharfe Kritik an der Gleichstellungsdebatte, das tiefe Eintauchen in den Pool der unchecked privileges und die lebendige, dichte Charakterzeichnung, die wir schon von Flüsterzweieck kennen.

Als kleiner, klitschiger Verteter des Patriarchats klebt ein Petersilienstück aus dem Mund des Regisseurs, der aus feministischen Gründen keine Frauen mehr in seinen Stücken besetzt (aber das erklärt er euch dann selbst), an (fast) allen Frauen der Party. Beeindruckend ist die inhaltliche Stärke von “Aus Liebe”. Man will mehr und immer mehr sehen von Ulrike Haidacher, so herrlich bohrt sie in die Leerstellen zeitgenössischer pseudo-emanzipatorischer Argumentationslinien, die allesamt direkt aus dem Leben gegriffen sind.

Bei der Premiere hält die Spannung von Minuten eins über die Pause bis zum Schluss. Von Anfang an laute Lacher. Brilliante Milieuanalyse, starker dramaturgischer Bogen, lebendige Figuren und zum Schluss ein großes, metaphorisches feministisches Comeback. Großer Applaus.

 


AUS LIEBE

von und mit Ulrike Haidacher

Regie: Dieter Woll

 

 


Foto: © Gabriel Rizar.

Mehr Informationen hier -> ulrikehaidacher.at

 

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