Alles Spielen ist ein Gespielt-Werden

KOSMOS Theater /// 2. April 2019 /// Sprengkörperballade

Drei Frauen, drei Sprengkörper – Die “Sprengkörperballade” zeigt den Versuch, seine eigene Geschichte erzählen. Dabei ist alles erlaubt.


Man hätte die “Sprengkörperballade” der jungen Wienerin Magdalena Schrefel naturalistisch erzählen können. Als sozialkritische Migrationsgeschichte mit demselben feministischen Blick, den zeitgenössische Regisseur_innen auf etwa ein Stück von Gerhard Hauptmann anwenden würden.

 

 

Claudia Bossard lässt Schrefels Figuren freien Lauf. Die Mutter erzählt mithilfe der Tochter, die sich gar nicht mehr so richtig erinnern kann (“Da war ich doch gar nicht dabei!”) von der Flucht aus Ex-Jugoslawien nach Wien und vom Verlassen-werden durch den Vater, der stumm vermeintliches Zentrum der Erzählung ist. Vermutlich? Ja, denn eigentlich geht es um die Erzählung:

Subjekt ist das Spiel und nicht die Spielerinnen.

“Aber ich habe es dir doch schon so oft erzählt!” treibt die Mutter ihr Kind immer weiter in der Erzählung, die an Pathos und damit Tragik wie Komik zunimmt. (Spaß machen besonders die Splattermomente, in denen das Blut nur so spritzt!)

Die Tochter wiederum gibt das Erzähltempo ihrer Mutter an die Freundin weiter, wenn es um Darstellungen ihres gemeinsamen Hobbies, das “Schürfen” geht. Was “Schürfen” ist und es es einer Frau dabei geht, hat uns Alice Peterhans bei unserem Gemeinsamen Theaterbesuch erzählt. Klick hier zum Video!

“Alles Spielen ist ein Gespielt-Werden.”

Irgendwo in diesem fließenden Figurengeflecht tauchen dann noch zwei zankende Alte, “Cookie & Fuzzi”, auf, doch die Trennung in Figuren, Schauplätze und Spielsituationen ist dem Publikum schnell egal. Was beeindruckt ist nämlich die Spielfreude der Spielerinnen und der Inszenierung, die ihnen allen Raum dafür gibt. Ein unvergesslicher Abend für unsere Neue Wiener Theatergruppe.

 

Fazit: Claudia Bossard schürft den Pathos aus Scherfels Text. Sie lässt sechs Frauen von sich selbst erzählen. Das macht Spaß, ist traurig und auf alle Fälle das Hingehen wert. Nur noch bis 18. April!


SPRENGKÖRPERBALLADE

von Magdalena Schrefel

Österreichische Erstaufführung | Eigenproduktion

Regie: Claudia Bossard | Ausstattung: Elisabeth Weiß | Regieassistenz: Barbara Juch I mit: Veronika Glatzner, Alice Peterhans, Alexandra Sommerfeld.


Fotos: © Franzi Kreis.
Mehr Informationen hier: Klick und spreng!

 

X

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen