Wenn alle Zeichen aufgehoben werden

Kosmos Theater /// 15. November 2019 /// Dialogue on difference
Claudia Bosse und Abdalla Daif bieten uns Vergangenheiten an, die in ihren Unterschieden dieselben aufmachen und Herkunft zur Nebensächlichkeit werden lassen. Eine Reise in die Dekonstruktion von Rezeptionsmöglichkeiten.


“Bewegen Sie sich frei im Raum.” Der Anweisung wird Folge geleistet und bald schon findet sich das Publikum als Teil des Stückes wieder, wird von den beiden Performer*innen zur Raumgestaltung herangezogen und der ganz in weiß gehaltene Raum, der sich nie kühl anfühlt, wird eine Projektionsfläche für die angebotenen Bilder. Die Zuschauer*innen werden sitzend und stehend Teil der Bilderlandschaft, aus der sich langsam eine Geschichte formt. Die Fotografien aus dem Foto-Album von Bosse und Daif erzählen uns scheinbar Intimes und stehen doch für die Geschichten vieler, wo die Herkunft eine andere Wahrheit erzeugt, die Hautfarbe eine andere Lebensrealität.

Mit diesem Stück wollen sich zwei lösen von den gesellschaftlichen anerkannten und bekannten Zuschreibungen und Codes, auch auf die Gefahr hin, das Publikum für weite Teile allein zu lassen. Auch die von Günther Auer komponierten Tonlandschaften geben keine Hilfestellung, unterstützen das Gefühl einer Warteschleife, die sich ohne aktive Teilnahme nicht unterbrechen lässt. Gierig wird nach Anhaltspunkten gesucht, nach Zeichen und Mustern, die gedeutet werden können. Die Textstellen zu Beginn haben eine Richtung vorgegeben, die sich in dem Spiel der beiden nach und nach verliert. Die Betrachtenden werden gefordert, in der scheinbaren Unmöglichkeiten der Deutung eine für sich selbst zu finden. Ein Spiel mit Zuschreibungen, die nicht wie gewohnt angewandt werden können, denn wie viele Wahrheiten existieren auch viele Geschichten, die hier wertfrei nebeneinander gestellt werden und ohne zu belehren neue Wirklichkeiten entstehen lassen. Der Bogen ist groß, fügt sich am Ende aber nahtlos zusammen.

Fazit: Hier wird eine Möglichkeit angeboten, einen Diskurs zu führen, ohne auf die bereits endlos wiederholten Muster der Interpretation zurückzugreifen. Unser Jetzt erklärt sich durch unser Gestern, aber braucht es Erklärungen überhaupt, wo nicht Verständnis auch ein Weg in die die Zukunft ist?


DIALOGUE ON DIFFERENCE
Gespenster, Geschlechterkonstrukte, Geopolitiken
Eine Performance von und mit Claudia Bosse (D/AT), Abdala Daif (EG) und Günther Auer (AT)
Koproduktion theatercombinat & Kosmos Theater

Mehr Informationen hier: https://kosmostheater.at/produktion/dialogue-on-difference/.


Fotos: © Bettina Frenzel.

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