Blumen mit bitterem Nachgeschmack

Wiener Festwochen /// 01. Juni 2018 /// The Virgin Suicides

Gastbeitrag von Dagmar Tröstler

Blumige, rosafarbene Gefühle mit bitterem Nachgeschmack begleiteten mich am Ende aus dem Theater. „The Virgin Suicides“ öffnet das Themenspektrum Mädchen-sein, Erwachsen-werden, Aggression, Eros und Thanatos mit religiösem Touch und in assoziativer Reizüberflutung. Verpackt in einen Mantel aus YouTube- und Tumblr-Ästhetik tauchen die Zuseherinnen in die Welt der Selbstmordschwestern ein.


Die bunte Bühne ist geschmückt mit Pflanzen, Neonröhren, Deckenlichtern, einigen Bildschirmen, einer nackten Puppe liegend in einer Glasvitrine und vier Puppengestalten, die sich plötzlich zu bewegen beginnen. Mit verzerrten Stimmen beschreiben die Puppen Tagebucheinträge, die auf vergangenes oder zukünftiges Geschehen verweisen. YouTube Make-Up Tutorials junger weiblicher YouTuberinnen werden mit sprechenden, kotzenden, sich befummelnden Puppendarsteller_innen auf der Bühne verschnitten.

Die visuellen und verbalen Bilder des Abends zeigen eine Weiblichkeit, die mich sehr an die Arbeit von Kate Durbin („Women as Objects“) erinnert.

Die Ästhetik eines Tumblr-basiertes Archivs, welches Bilder und Notizen von pubertierenden Mädchen sammelt, wird mit cleveren, religiösen Referenzen durchgebrochen. Plötzlich enthüllen sich die vier Puppen und ihre männlichen Darsteller kommen zum Vorschein. Zutiefst überrascht fällt mir der patriarchale Kontext – die männliche Dominanz, unter der die Selbstmordschwestern stehen – wie Schuppen von den Augen.

Die Monologe eines androgynen, computergenerierten Avatar, der „The psychadelic expirience“ von Timothy Leary zitiert, umrahmen die assoziativen Bilder des Abends. Dabei fungiert dieser Text als Trip-Sitter, der die inneren, pubertierenden Sehnsüchte der Zuseherinnen navigiert.

Das Programmheft preist den Abend als LSD-Trip an. Der fragmentarische Wahnsinn wird allerdings von der frontalen Bühnensituation aufgehalten. Am Ende bleibt der Abend eine abstrakte Vielfalt vermittelter Gefühle – von Hollywood Teenage Bedroom bis zu selbstdestruktiver Wut.


Die Selbstmord-Schwestern / The Virgin Suicides

Susanne Kennedy

Nach Motiven des Romans von Jeffrey Eugenides


Bildrechte: (c) Judith Buss.

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