Wer sind die Jungen in Wiem?

Theater Drachengasse /// 06. Juni 2018 /// Narziss, du Opfer!

In der Inneren Stadt werden wieder Preise vergeben. Am 16. Juni wird man wissen, wer in der kommenden Saison seinen_ihren zwanzigminütigen Entwurf zum abendfüllenden Stück ausbauen darf. Die Auswahl wird schwer fallen.


Nachwuchswettbewerbe sind so ein Ding. Man kann einfahren und furchtbar langweilige oder ärgerliche Stücke sehen. Es kann aber auch lustig, entspannt und real abgehen. Die diesjährigen Finalist_innen zeigen Breite – vom realpolitischen EU-Märchen über verzwirbelt-poetische Welterklärung zu sehr gutem Schmäh und Realness-Romantik. Lang fühlt sich dieser 1:40 h lange Abend nicht an.

Allesleut von Bye bye balloon

Drei gebeugte, weibliche Weiße erklären mir chorisch und als Echo die Welt. Ich kann nicht ausmachen, wer da spricht. Ich komm nicht wirklich mit dem Text oder dem Spiel mit. Allgemeine Weltkritik zieht an mir vorbei.

Pech gehabt, Marie! von Bérénice Hebenstreit und Josefine Knauschner

Frau Holle erzählt zwei Mädchen zwei Märchen – das von der Welt, die nach den zwei großen Kriegen Friede wollte, und das von der Gold- und der Pechmarie. Doch in dieser Version bringt Frau Holle – ganz eingepackt in einen zunehmend bühnefüllenden EU-Flaggen-Blauen Plastikpolster – den beiden Maries das Haushalten bei. Hebenstreits einfache, konzentrierte, lockere und selbstbewusste Art des Inszenierens konnte man zuletzt in Superheldinnen am Volkstheater sehen. Und auch hier wundere ich mich kichernd, wie spannend und gut ausgewiesen realpolitisches Theater sein kann. – Ich dachte eigentlich, das geht sich nicht mehr aus gemeinsam – direkte politische Aussagen in der Kunst. Aber – es geht hervorragend. Und Spaß macht es auch noch. Nicht zuletzt ästhetisch in klar gearbeiteter Gestik und fein abgestimmtem Szenebild.

Der Anti-Storch von Performancekollektiv Dorn ° Bering

Sehr lustiges, gut gearbeitetes Duett über das Aussterben des Waldrapps – wär er doch nicht so lecker gewesen. Sympathisch, witzig und gut in seinen zwanzig Minuten Länge.

Cinema Perverso von Johanna Mitulla

Johanna Mitulla merken Sie sich jetzt bitte einfach. In einer Zeit, in der ästhetisch und inhaltlich immer unentspannter nach dem „Neuen“ und „Heutigen“ am Theater gesucht wird, packt Mitulla die Ästhetik des Wetter-Magazins einfach auf die Bühne und scheißt sich nichts. Zwei Männer streiten wunderschön aneinander vorbei. Beziehungsprobleme werden über einen klirrend schönen Wettstreit im Sandwich garnieren ausgetragen – bis einer heult. Mitulla beutelt den Staub aus dem Theater und füllt den so gewonnen Raum mit Realness, die Spaß macht. Frisch, neu, geil – leider nicht 100% sauber gearbeitet (Text, Aussprache), aber wie dieser Entwurf einen ganzen Theaterabend füllt, würde mich interessieren.


„Ich bitte dich in meiner Gegenwart nie du selbst zu sein. Sonst müsste ich mich dazu verhalten.“ (Cinema Perverso)


Nachwuchswettbewerb 2018 – Das Finale

Narziss, du Opfer!

Theater Drachengasse, Bar&Co
in Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Wien
Premiere: 28. Mai 2018
Weitere Vorstellungen: 29. Mai – 16. Juni 2018 (Di-Sa)


Foto: © Andreas Friess / picturedesk.

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