Sie haben die Latte hoch gehängt

Akademietheater Wien /// 26. April 2019 /// Land in Sicht

Joachim Meyerhoff inszeniert einen Abend in dem der verstorbene Burgschauspieler Ignaz Kirchner die Hauptrolle spielt.


Joachim Meyerhoff serviert eine Anekdote nach der anderen über seinen 2018 verstorbenen Schauspielerfreund und plaudert dabei überraschend freizügig aus dem Nähkästchen. Im Hintergrund unterhalten Fabian Krüger und Mirco Kreibich das Publikum mit Hanswurst-Spielen, das Bühnenbild erinnert an eine Probebühne, bei aufgedrehtem Saallicht wird ständig im Hintergrund gearbeitet. Über viele Burgtheater-Anekdoten, dessen Schauspieler_innen, Regisseur_innen und Intendant_innen kommt er ins Erzählen, verdichtet Wahrheit zu Fiktion und lädt uns ein, ihm in’s Meyerhoff-Land zu folgen. Ausführlich beschreibt er vergangene Projekte, die er gemeinsam mit Ignaz geplant, aber nie umgesetzt hat und endet mit der viel angekündigten Rundschau durch dessen Notizhefte.

 

Meyerhoff versucht Ignaz Kirchner nicht nur über die Notizhefte, die Kirchner sein Leben lang mit Zeitungsausschnitten, Briefen, Fotos und Texten gefüllt hat, zu erklären. Der Erzähler holt uns darüber hinaus unmittelbar in das Bühnengeschehen hinein. Meyerhoff arbeitet mit dem Publikum, dass sich nie sicher sein kann, wer jetzt mit wem spielt. Regieanweisungen kommen offen zum Einsatz und scheinbar spontan kommentiert er die Schauspieler_innen auf der Bühne.

 

Mirco Kreibich, Joachim Meyerhoff, Fabian Krüger, Philipp Quehenberger

 

Nach der Pause geht dann endlich das Licht aus und das Publikum kann eintauchen in den vielen Seiten der Notizhefte. Dabei balanciert Meyerhoff zwischen Anekdote und Entblößung. Er versucht, uns die Persönlichkeit Kirchners, die so viele Gegensätzlichkeiten in sich vereint, erspüren zu lassen. Der Einblick, der dabei gewährt wird, scheint streng kuratiert. Von den weit über 100 Notizheften sehen die Zuschauer_innen nur einen Bruchteil. Vieles hätte dem Verstorbenen bestimmt gefallen, vor allem aber die Lichtinstallation am Ende, die eine Kathedrale im Akademietheater auferstehen lässt.

 

Fazit: Meyerhoff hat zusammen mit Krüger und Kreibich eine wunderschöne Hommage an Ignaz Kirchner entworfen. Dabei verliert er sich ein wenig in den eigenen Erzählungen, dennoch ist es ein schönes Stück für alle Freund_innen des Theaters, besonders des Wiener Theaters. Auf einem Plakat steht „Ein Projekt für Wien“ und am Ende ist auch klar, warum. Ohne Wiener Theaterkenntnisse gehen viele der Scherze verloren. Was bleibt, ist ein Gefühl für Ignaz Kirchner.


Land in Sicht

Ein Projekt von Joachim Meyerhoff

für Ignaz Kirchner

Uraufführung

Besetzung: Fabian Krüger, Joachim Meyerhoff, Micro Kreibich Pianistin: Johanna Marihart Keyboarder: Philipp Quehenberger Radfahrer: Caspar Conradi, Bernhard Hradetzky, Josef Lusser, Hans Ruess, Rainer Stummer, Reinhold Wotruba und: Edmund Lobinger, Brigitte Sääf Regie: Joachim Meyerhoff, Bühne: Jenny Schleif Kostüme: Dagmar Bald Musik: Philipp Quehenberger Licht: Michael Hofer Dramaturgie: Hans Mrak


Fotos: © Georg Soulek

“Mehr Informationen hier:” https://www.burgtheater.at/de/spielplan/produktionen/land-in-sicht

 

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