Ich hör nur „Mimimi“.

WERK X-Petersplatz/// 25.04.2019 /// Mein Hundemund

Unklar, laut und wirr sudert der verwahrloste Metzger, Ehemann und Vater über die Gesellschaft der 90er. Der Hundsmaulsepp schafft es, in allen Belangen etwas Negatives zu finden.

 

Inmitten von aufgerissenen Müllsäcken, leeren Flaschen und gänzlichen Chaos streckt sich eine schmutzige Hand unter einer weiß-grauen Plastikplane hervor. Grunzend und stöhnend zerrt sich der Protagonist, gespielt von Jens Ole Schmieder, allmählich und mühsam unter der Abdeckung hervor, um eine noch halbvolle Flasche Bier runterzukippen. Das Stück „Mein Hundemund“ ist der Ausdruck der puren nihilistischen Weltanschauung von Werner Schwab. Religion, Umwelt, Politik und der soziale Umgang unter den Menschen, nichts von alldem hat Sinn. Krieg und Leid dominieren die Überlegungen des überzeugten Pessimisten, die sich in einer tristen Abwärtsspirale wiederholen. Was bringe es also, sich in diese „Drecksepp-Gesellschaft“ zu integrieren, wenn die Welt doch so finster ist? – Wohl Nichts.

Der kalte Betonraum wirkt klein und traurig, genauso wie der Drecksepp, der in alles und jedem ein Feindbild sieht. Da bleibt dem heruntergekommenen Metzger nur noch über, bitter zu lachen und sich über die Blindheit der heutigen Gesellschaft zu amüsieren. Seine Frau und sein Sohn überlassen ihn seinen abstrusen Vorstellungen. „Überall ist etwas mit jemanden, nichts ist mit uns!“, ruft der Sohn seinem Versager-Vater entgegen. Er hat ihn schon längst abgeschrieben. Die Ehefrau hat noch einen Hauch von Hoffnung, dass sie ihren Mann, so wie er früher war, vielleicht doch noch wiedersieht. Sie und der Sohn stehen für die gesellschaftlichen Normen, die der Drecksepp radikal ablehnt.

„Überall ist etwas mit jemanden, nichts ist mit uns!“

Mit raffinierten Sprachbildern und starken Metaphern zieht Schwab einen Vergleich zwischen seinen Kritikpunkten und Funktionen des menschlichen Körpers. Er gibt den Zuseher_innen unmissverständlich zu verstehen wie, wortwörtlich „scheiße“ all die Dreckseppen sind. Die lebhaften Umschreibungen und amüsanten Wortspiele, sind zu Anfang sehr unterhaltsam und untermalen sinnbildlich die Kritik des Vaters, sowie die unerfüllten Träume des Sohnes. Die humoristische Wortwahl in Verbindung mit den zeitlosen Problematiken der westlichen Gesellschaft lassen einige Lacher zu. Nicht zuletzt, weil die Darstellung des alkoholisierten Drecksepp an einige Alltagssituationen auf den Wiener Straßen erinnern mag. So versucht man anfangs den kritischen Hinterfragungen und familiären Auseinandersetzungen der drei Schauspieler_innen zu folgen. Nach ungefähr 40 Minuten geht das Stück allerdings in eine endlos scheinende Dauerschleife über und es wird immer anstrengender herauszufiltern, was die Kernbotschaft der konfusen Monologe sein soll.

Im Endeffekt werden in den 100 Minuten Spielzeit eine Reihe an Dingen bekrittelt, die ohne Zweifel auch hinterfragt werden sollen und müssen. So sind Familienverhältnisse, politische Führung und soziale Normen nur einige der vielen Aspekte, die zur Sprache gebracht werden. Dennoch fehlt es dem Werk an einer wesentlichen Komponente: einem Lösungsansatz für die besagten Probleme. Dass Menschen hinterlistig, manipulativ und zu furchtbaren Taten fähig sein können ist ein trauriger Fakt. Dennoch fiel es schwer, mit einer so negativen Weltanschauung überein zukommen.
Die wenigen lustigen Momente nehmen dem Stück leider nichts an Schwere und durch die abstrakten Gedankensprünge des Drecksepp verschwimmt der rote Faden seiner Überlegungen, bis man schlussendlich einfach abschaltet und den Vorführraum müde, fast schon gerädert, verlässt. “Mein Hundemund” ist ein düsteres und zynisches Stück, dass durch eine neue Wendung oder mehr Diskussionen zwischen der Ehefrau bzw. dem Sohn und dem ausgestoßenen Metzger frischen Wind vertragen hätte.

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Mein Hundemund

Regie und Bühnenbild: Alexandru Weinberger-Bara
Kostüme: Antoaneta Stereva
Musik/Sound: David Lipp
Regieassistenz und technische Mitarbeit: Andreas Stockinger

Permiere: 25.04.2019
in Kooperation mit WERK X-Petersplatz

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Fotos: © Alexander Gotte

Weitere Infos: http://werk-x.at/produktion/mein-hundemund

 

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